Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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Gotthold! rief Eduard auffahrend. Und weshalb konnte er der Schweſter verbieten, zu ihrem Bruder zu gehen?

Er weiß es wohl, daß ich den Bruder mehr liebe, als ihn, und doch iſt er mein Gatte, und ihn ſollte ich lieben über Alles auf Erden!

Ach, er iſt alſo eiferſüchtig, eiferſüchtig auf den Bruder! Aber freilich, die Eiferſucht fragt nicht nach Verwandtſchaftsgraden. Jeder, der die Geliebte liebt, iſt ein Nebenbuhler, und ſei es ſelbſt ein Vater oder Bruder! O ich kenne das, denn, Amalie, ſiehſt Du, ich bin auch eiferſüchtig, und nicht, weil er ein Heuch⸗ ler iſt und ein ſcheinheiliger Prieſter, nicht deshalb haſſe ich Gotthold, ſondern weil er Dein Gatte iſt, weil er es wagen darf, Dich in ſeine Arme zu ſchlie⸗ ßen, Deine Lippen zu küſſen! O mein Gott, dieſer Gedanke ſchon könnte mich raſend machen, und müßte ich es jemals ſehen, ich glaube, ich würde ihn ermor⸗ den in Deinen Armen!

Und Du, Eduard, haſt doch keinen Grund, eifer⸗ ſüchtig zu ſein! ſagte ſie lächelnd.

Er küßte ſie und fragte dann, wie es komme, daß Gotthold nun doch darein gewilligt, daß Amalie zu ihm komme.

Wir haben eine Art Tauſch gemacht, ſagte ſie, un⸗ willkürlich ſeufzend. Er läßt mir die Freiheit, Mor⸗ gens zu Dir zu gehen, wenn ich dafür Abends ihm in die frommen Verſammlungen folge! Jede glückliche Stunde bei Dir bezahle ich, indem ich mit ihm in ſeine Conventikel gehe!

Und das iſt die Frömmigkeit dieſer Heuchler, rief Eduard. Sie ſchachern und feilſchen mit dem Himm⸗ liſchen, es iſt ihnen nicht um die Wahrheit und Wirk⸗ lichkeit zu thun, ſondern nur um den äußern Schein, nicht um die Frömmigkeit des Herzens, ſondern nur