mahls ſeiner Schweſter, der wahrſcheinlich die Veran⸗ laſſung dieſer langen Trennung war.
Nicht wahr, fragte er heftig, Gotthold wollte nicht daß Du zu mir gingeſt?
O nicht doch! ſagte ſie und barg ihr Geſicht an ſeiner Bruſt, um nicht ſeinen forſchenden Blicken zu begegnen. Nicht doch, Eduard! Ich wollte nur ſehen, ob Deine Liebe oder Deine Abneigung mächtiger ſei! Gotthold iſt Dir zuwider, aber Du ſagſt, daß Du mich liebſt, und da wollte ich Dich prüfen, ob Deine Liebe ſo mächtig ſei, daß ſie die Abneigung beſiegte und Du zu mir kämeſt, obwohl Du wußteſt, bei mir den Mann zu finden, den Du haſſeſt! Und ſiehſt Du, wie ſehr ich gedemüthigt worden! Dein Haß iſt ſtärker als Deine Liebe, Du konnteſt die Trennung ertragen, ich nicht, und weil ich denn ſah, daß Du nicht zu mir kamſt, mußte ich wohl zu Dir kommen!
Sie ſchlang ihre Arme um ſeinen Nacken und drückte einen Kuß auf ſeine Stirn. Er wehrte ſie ſanft ab und ſagte faſt unwillig: alſo um einer Laune willen alle dieſe Schmerzen und dieſes tiefe Weh, um einer Caprice willen ſo viel Unruhe und Trauer! Nein, ich mag's nicht glauben, daß Du ein Weib biſt, wie alle Weiber, und daß Du ſpielen könnteſt mit einem Herzen, das Dich liebt! Sieh' mich an, Amalie, iſt's wahr, iſt's wirklich wahr, daß Du deshalb nicht gekommen?
Er hob ihr Haupt von ſeiner Bruſt und ſah lange und prüfend ihr in's Angeſicht.
Iſt's wahr? wiederholte er lächelnd, denn er hatte ſchon in ihren Mienen die Antwort geleſen.
Nein, ſagte ſie. Ich kann und will Dir keine Un⸗ wahrheit ſagen, mein Bruder! Es war keine elende Laune, die mich fern hielt, Gotthold wollte nicht, daß ich zu Dir ginge!


