Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

niſche auf dem geſtickten Seſſel pflegte ſie zu ſitzen, noch lag das aufgeſchlagene Buch da, aus welchem ſie ihm zuletzt vorgeleſen. Dort auf dem Sopharande lag noch das kleine Häubchen, das ſie am letzten Morgen hier vergeſſen. Er küßte das roſa Band, das unter ihrem Kinn geſeſſen, die Spitzen, welche an ihrer Wange gelegen, und er ſagte: die Liebe macht uns zu Träumern und Kindern! Iſt es mir doch, als ſähe ich ihr liebes Angeſicht, wie es aus dieſem Häubchen hervorſchaut und lächelnd mich anſieht, und ſo ſpiele ich, wie ein Kind, mit dem Kleinlichen und Nichtigen, was mir doch Großes und Schönes be⸗ deutet und iſt!

Aber horch, welch' ein Ton war dies! Ein leiſer, kaum vernehmbarer Ton, war's nicht, als ob man leichte Schritte im Vorzimmer vernähme, knarrte nicht die Thür, o mein Himmel

Amalie!

Eduard!

Sie lag in ſeinen Armen, freudejauchzend, glückes⸗ trunken, weinend vor Luſt und Entzücken, und er küßte die Thränen aus ihren Augen und ſah ſie lange und innig an mit dem Ausdruck der unausſprechlich⸗ ſten Liebe, des reinſten, göttlichſten Glückes! Du biſt alſo wieder da! ſagte er aufathmend und zog ſie zu ſich nieder auf den Divan. Sie lehnte ihr Haupt an ſeine Schulter und blickte ihn an und lächelte, und ſagte halb ſcherzend: ich muß wohl zu Dir kommen, da Du ſo ſtolz biſt und Deine arme Schweſter nicht aufſuchſt, Du Böſer! Du weißt es wohl, daß ich Dich immer meinen Herrn und König genannt, und darum verſchmähſt Du's nun, in das niedrige Haus Deiner Dienerin und Vaſallin zu kommen.

Du ſpotteſt meiner! rief er umdüſtert, denn jetzt erinnerte er ſich wieder Gotthold's, des verhaßten Ge⸗