Nun, die Dame, die Ihnen dieſe Blumen gab! rief er ungeduldig.
Frau Winkler ſenkte ſeufzend ihr Haupt auf ihre Bruſt. Ach, er dachte alſo nicht einmal an die Mög⸗ lichkeit, daß dieſe Blumen von ihr kämen, nicht der leiſeſte Gedanke ſtieg in ihm auf, daß ſie ſelber die Geberin dieſes Straußes ſei, ſie, die ſo tief unter ihm ſtand, daß ſie zu ihm in gar keiner menſchlichen Be⸗
ziehung ſtehen, daß ſie nichts weiter ſein konnte, als
ein dienſtbares Weſen, ohne Theilnahme und menſch⸗ liche Regung!
Mein Gott, Sie antworten mir nicht, rief er ängſt⸗ lich. Sie war alſo nicht heiter? Sie ſah bleich und leidend aus?
Der Blick, den er auf die Alte heftete, war ſo voll Angſt und Schrecken, daß ſie Mitleid empfand mit ſeiner Sorge, und ſich zu jedem Opfer, zu jeder Ent⸗ ſagung bereit fühlte.
O nein, ſagte ſie mit mattem Lächeln, ſie war heiter und ihre Wangen glühten purpurroth, als ſie mir dieſe Blumen gab.
Ach, ich danke Ihnen, rief Eduard aufathmend. Und ſagte ſie Ihnen nichts, gar nichts, nicht die kleinſte Beſtellung?
Doch, ſie läßt Ihnen tauſend Grüße ſagen, flüſterte Frau Winkler mit niedergeſchlagenen Augen, denn ſie ſchämte ſich ihrer Lüge, und mochte es nicht wagen, Eduard's Blicken zu begegnen.
Dank, tauſend Dank, rief Eduard innig und reichte ihr die Hand dar. Sie drückte ſie heftig, aber als er ſeine Hand zurückzog, ließ er ein Geldſtück in die ihre gleiten.
O, ſagte ſie ſchmerzvoll und erbebend, nicht ein⸗ mal der Händedruck galt mir! Sie reichten mir nur die Hand, um mir Geld zu geben!


