Teil eines Werkes 
2. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

242

lullen zu ewigem Vergeſſen, zu traumloſem Schlum⸗ mer! Es gehört viel Muth dazu, geſchändet und ent⸗ ehrt auf Erden zu wandeln, haſt Du dieſen Muth des frechen Verbrechers? Nein, Du haſt ihn nicht, darum komm in meine Arme, ich will Dein Haupt bergen unter meinen Fittigen, und Niemand wird Dein Ge⸗ heimniß erfahren und Deine Schande. Komm ſchnell, eehe denn die Welt hohnlächelnd mit den Fingern auf Dich zeigt, auf Dich, die Geſchändete, die Verrathene! Komm ſchnell, ehe Dein Gemahl zurückkehrt und auf Deiner entweihten Stirn Dein Verbrechen und Deine Schande lieſt. Komm, ich will Dich ſchützen gegen dieſe unendliche Demüthigung, und wenn Du mir folgſt, wird der Gemahl nimmer aufhören Dich zu lieben, denn er wird nichts wiſſen von Deiner Schuld, kann die Welt Dich nicht verhöhnen, denn ſie wird nichts ahnen von Deiner Schande. Komm in meine geöffneten Arme, dann wirſt Du als Racheengel Dem erſcheinen, welcher Dich verrieth! In jeden Becher ſeiner Freuden wirſt Du den Wermuthstropfen ihm ſchütten, vor jedem Glücke wirſt Du warnend Dich aufſtellen und ihn zurückſchenchen mit Deiner drohen⸗ den Geſtalt. Folge mir und ſein Leben wird fortan nichts ſein, als eine fortlaufende Kette von Qualen, denn die Erinnerung an Dich wird alle ſeine Freuden vergiften, wird ſeinen Schlummer ruhelos machen und ſeine Träume ſelbſt erfüllen mit Jammer, Du wirſt ſein böſes Gewiſſen ſein und namenloſe Qual ihm ſchaffen, während Du in meinen Armen liegſt, allem Jammer entrückt, in traumloſer, ſeliger Ruhe! Aurelia fühlte ſich wie bezaubert von dieſer ver⸗ lockenden Stimme, ſie hatte keine Gewalt mehr, ihr zu widerſtehen, ſie fühlte ſich ganz hingegeben, ganz überwältigt! Welch eine geheime Gewalt war's, die ſie zu ihrem