Teil eines Werkes 
2. Theil (1860)
Entstehung
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Hernani's in den Händen des Don Gomez, und wenn einſt Deine Liebe zu mir erkaltet und Deine Zärtlich⸗ keit erſtorben iſt, dann ſende mir ſchweigend meine Briefe zurück, ich werde dann wiſſen, daß mein Glück für immer erſtorben iſt, und mir nichts weiter übrig bleibt, als ſelbſt zu ſterben. Willſt Du mir das geloben? Willſt Du mir ſchwören, ſo zu thun, mich nicht mit harten, grauſamen Worten von Dir zu weiſen, ſondern nur ſchweigend mir meine Briefe zurückzuſenden?

Ich gelobe es Dir, ſagte ſie, ganz überwältigt von ſeinem feierlichen Ton, ja ich gelobe es Dir, wenn Du mir ſchwörſt, daß Du es auch ſo machen willſt, daß Du mich nicht ſo langſam hinmorden willſt mit kalten, liebloſen Worten, ſondern nur ſchweigend mir meine Briefe ſendeſt als finſtere Todesvögel.

O, ein überflüſſiger Schwur, ſagte er, denn ich werde niemals aufhören Dich zu lieben!

Aber Du mußt ihn leiſten, wenn ich den meinen erfüllen ſoll!

Wohl, ſo ſchwöre ich es Dir, ſchwöre Dir das Unmögliche! Die Rückſendung Deiner Briefe bedeute Dir den Tod meiner Liebe! O, ein Sacrilegium, Aurelia, meine Liebe zu Dir kann niemals ſterben!

Auch die meine nicht, ſagte ſie vorwurfsvoll, und doch forderteſt Du dieſen Schwur!

Und noch einen andern Schwur will ich Dir leiſten,

rief er, nämlich dieſen, daß Du, wenn Du mir meine Briefe geſandt, niemals ein Wort der Klage oder des Vorwurfs von mir hören ſollſt.

Ich ſchwöre Dir daſſelbe, ſagte ſie.

Ich ſchwöre es beim Geiſte meines Vaters!

Und ich ſchwöre es Dir beim Geiſte meiner Mutter!

O, ſind wir nicht Kinder, rief der Fürſt jetzt laut lachend, Kinder, uns ſo mit Geſpenſtern zu ängſtigen und aus den hellen Mondſtrahlen unſeres Glückes uns