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grauſenvolle Leichenbilder zu ſchaffen? Komm, Aurelia, laß uns lachen und heiter ſein! Wir lieben uns ja, was hat denn der Tod zu ſchaffen mit unſerm lebens⸗ vollen Glücke!
Er umarmte die Gräfin und küßte ſie, und mit heiterm Scherzwort vertrieb er die leichten Wolken von ihrer Stirn. Sie war ganz glücklich, ganz ſelig! Das Käſtchen mit den Briefen ſtand immer noch vor ihnen. Dann bat der Fürſt um ein Buch, das ſie beſaß und ihm mitzutheilen verſprochen. Sie ging in den nahen Salon, es zu holen.— Jetzt war er allein im Bou⸗ doir, einen kurzen Moment nur, aber er war allein! — Raſch zog er aus ſeinem Buſen ein kleines Paket, raſch drückte er an der Feder, daß der Kaſten aufflog, — nun nahm er ſeine Briefe heraus und verbarg ſie in ſeinem Buſen. Schnell jetzt das andere Paket hinein,— den Kaſten wieder zugedrückt,— ah, da kommt Aurelia, die liebe, die engelgleiche Aurelia, und mit zärtlichen Dankesworten empfängt er aus ihren Händen das Buch.
Und nun noch dieſer zärtliche Abſchied, dieſe ſtets ſich erneuernden Umarmungen, dieſes Trennen, um ſich immer wieder zu umſchlingen, dieſes Anblicken und Seußzen, dieſe zärtlichen, hingehauchten Worte, dieſe Seufzer und Küſſe!
Endlich geht er. Sie ſieht ihm lächelnd nach, ſelig und voll unendlichen Glückes!
An der Treppe ſteht der Kammerdiener der Gräfin.
Ach, ich vergaß, ſagte der Fürſt, leiſe zuſammen ſchreckend, ich vergaß, der Gräfin dieſes Briefchen zu geben. Bringen Sie es hinein zu ihr, Lieber!
Mit ruhigem Lächeln ſteigt er die Treppe hinab.
Ehe er noch die Stiegen hinunter iſt, hat die Gräfin
ſchon das Briefchen erhalten.


