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Ihm gegenüber hatte ſie gar keinen Stolz mehr, nicht
einmal den Stolz, ihm ihren Kummer zu verbergen über ſein Erkalten und ihr Verlaſſenſein, ſie ließ ihn
alle ihre Thränen ſehen, ihren Jammer hören, ſie
hoffte ihn durch ihre Klagen rühren, durch ihre Liebe die ſeine wieder neu anfachen zu können. 6
In wilder Verzweiflung hatte ſie den Fürſten Alexiew damals verlaſſen, als ſie Roſa bei ihm ge⸗ funden, der Sturm ihrer Leidenſchaft hatte ſie zu Bo⸗ den geſchleudert und ſie krank gemacht vor Gram und unendlichem Weh. Aber die Liebe hatte ſie wieder emporgetrieben; als eine Zürnende hatte ſie den Fürſten verlaſſen, und als eine Flehende, Bittende kam ſie nach wenigen Tagen wieder zu ihm, nichts mehr erflehend, als daß er ihr ihren Zorn vergebe, nichts mehr er⸗ bittend, als daß er ſie wieder aufnehme an ſeinem Herzen und in ſeiner Liebe!— Aurelia war ein Weib, und dem Manne gegenüber, welchen ſie liebte, fühlte ſie ſich ganz nur als wahres, naturvolles Weib, ſie konnte nicht heucheln, nicht verhüllen, und da ſie ihm einmal ihren Stolz geopfert und ihre Ehre, war die letzte Schanze niedergeworfen, hinter welche ſie ſich hätte flüchten können mit ihrer zertretenen Liebe. Sie lag vor ihm auf den Knieen und mit Thränen und Schluchzen flehte ſie ihn an um das Wiedererwachen ſeiner Liebe. Und gerade das Verbrecheriſche ihrer Verbindung mit dem Fürſten, es war ein unzerreiß⸗ bares Band, das ſie an ihn kettete und unauflöslich ſie ihm zu eigen gab. Er war ihre Ehre, in ihm ruhte ihr Stolz und ihre Tugend, ſie hatte ihres gan⸗ zen Daſeins heiligſte Beſitzthümer ihm anvertraut, was Wunder, daß ſie auf ewig ſich an ihn gefeſſelt, ſich ihm ganz ergeben, ganz demuthsvoll fühlte. In einer legitimen Liebe kann das Weib ſich ſeinen Stolz be⸗ wahren und ſeine weibliche Würde, es iſt dies ge⸗


