Teil eines Werkes 
2. Theil (1860)
Entstehung
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Qual. Stunde nach Stunde verging, der Morgen dämmerte empor, ein heller kalter Märzmorgen. Bleich, wie eine Leiche, aber gefaßt und ruhig erhob ſich Julia von ihren Knieen. Sie hatte ſich ſelbſt überwunden, ſie war ganz entſchloſſen, ganz gefaßt, ſie fühlte kaum noch, daß ſie litt.

Ich muß fliehen, und das ſogleich, ſagte ſie athem⸗ los. Ich muß fliehen, weil Alfred mich liebt, und weil Chriſtian mich morgen verrathen wird. Es ſoll nicht geſagt werden, daß man bei Alfred mich entdeckte und fand. Sein reiner edler Name ſoll nicht geſchändet werden durch mich! Die Sonne ſteigt ſchon herauf, ſie mahnt mich an meine Pflicht! Fort denn, fort, be⸗ vor er an meine Thür kommt, mich zu wecken. Nie⸗ mals wieder darf ich ſeine Stimme hören, wenn ich den Muth haben ſoll, ihn zu fliehen!

Mit zitternden Händen raffte ſie einige Sachen zu⸗ ſammen, einige Kleidungsſtücke und die geringe Baar⸗ ſchaft, die ihr noch geblieben. Daun nahm ſie ihren Hut und hüllte ſich in den Mantel.

Sie war jetzt fertig, ſie hatte nichts mehr zu thun, dennoch ſtockte ihr Fuß, und ihr troſtloſer, thränenum⸗ ſchleierter Blick irrte wie ſuchend im Gemach umher. Dann trat ſie zur Harfe und küßte ſie zum Abſchied. Auf den Staffeleien ſtanden die beiden Zeichnungen, an denen ſie geſtern noch mitſammen gearbeitet. Das war Alfred's Zeichnung. Sie neigte ſich über ſie und küßte das Papier, auf welchem ſeine Hand geruht, und eine Thräne fiel auf das Papier; ſie trocknete ſich aber raſch die Augen, nahm den Bleiſtift und ſchrieb an den Rand der Zeichnung einige flüchtige Abſchieds⸗ worte! Aber ſie fühlte, daß ihre Kraft ſie verlaſſen wollte, vielleicht noch wenige Minuten und ihr ſchwaches Herz wird den Sieg davon tragen, ſie wird bleiben, bleiben, der Gefahr, ja ſelbſt der göttlichen Mahnung

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