Was zu geſtatten, mein Freund? unterbrach ſie ihn mit ſo hohem, ſtolzen Ausdruck, daß Alfred wie beſchämt das Auge zu Boden ſenkte.
Sind Sie nicht zu jedem Tag und zu jeder Stunde mein Wohlthäter? fuhr ſie mit weicher Stimme fort. Nehme ich nicht Ihren Schutz an, und ſtütze mich auf den rettenden Arm, den Sie mit ſo erhabener Großmuth mir dargereicht? Das Geld, mein Freund, darf mir die ſchönſte Erinnerung meines Lebens nicht trüben! Ihren höhern geiſtigen Schutz nehme ich mit Stolz und nie erlöſchender Dankbarkeit an, eine an⸗ dere Unterſtützung aber würde mich demüthigen, und vor mir ſelber erniedrigen, und an Sie würde ich nicht ohne Erröthen denken können. Ach, inmitten meines finſtern, unheilsvollen Geſchickes, habe ich dies ja als eine unverdiente Segnung des Himmels erkannt, daß ich mindeſtens nicht wie eine Bettlerin vor Ihnen ſtand, die von Ihrer Hand der irdiſchen Speiſe be⸗ gehrte, ſondern als eine Bettlerin, die von Ihnen das Größte, das Höchſte begehrte: Vertrauen und Troſt, Schutz und Obdach! Und aller dieſer Segnungen will ich genießen, ſo lange es mir vergönnt iſt, ſo lange ich ſtillverborgen in dieſem Zimmer, nur Ihrer geiſtigen Unterſtützung bedarf. In allem Andern aber muß ich mir ſelber helfen, und ich glaube ich kann es! Ich werde in irgend eine große Stadt gehen, nach London, nach Paris, was weiß ich, und dort ſollen meine Talente mir die Mittel meiner Exiſtenz ſichern. Ich kann die Harfe ſpielen und ſingen, und
wenn ich es erſt zu einiger Vollkommenheit im Malen
und Portraitiren gebracht habe, dann darf ich wohl
hoffen, mir das Wenige, deſſen ich bedarf, erwerben
zu können. 1 Und nun, ſagte Alfred traurig, nun wollen Sie
durch dieſen Unterricht das Vermögen, von dem Sie


