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niemals einer Zerſtreuung, einer äußern Anregung,— die ganze Welt, die ganze Menſchheit ſchien hinter ihr zuſammengeſunken, und dieſes kleine ſtille Gemach, in welchem ſie weilte, ſchien ihres Daſeins vollſte Befrie⸗ digung zu enthalten. Da ſaß ſie eifrig malend vor ihrer Staffelei, oder zeichnete nach den antiken Büſten, die ihr von Alfred gebracht worden.— Selten geſtattete ſie es Alfred, in dieſen Stunden an ihrer Seite zu ſein, und wenn er ſie beſchwor, ihm nicht ihre Thür zu verſchließen, wenn er verſprach, ganz ſtill und ſchweigend ihrer Arbeit zuſchauen zu wollen, ſagte ſie mit dem Ausdruck unendlicher Erſchöpfung:„ich be⸗ darf ſo ſehr des Alleinſeins,“ und in ihren Blicken lag dann eine ſo unausſprechliche Schwermuth und Trauer, daß Alfred nicht wagen mochte, ferner in ſie zu dringen.— Auch ihr Mittagsmahl nahm ſie allein ein; es ward ihr aus einer nahen Reſtauration berbei⸗ geſchafft, während Alfred in einem der erſten Speiſe⸗ häuſer unter den Linden, oder bei Freunden ſpeiſete.
Sie dürfen durch mich in keiner Weiſe behindert werden, ſagte ſie ihm, und wenn ich es nur Einmal ahnete, daß Sie um meinetwillen ſich in Ihrem ge⸗ wohnten Leben unterbrechen, dann würde ich entfliehen, und Sie niemals wiederſehen.
Aber wenn ich Ihnen ſchwöre, daß es mein Glück iſt, allen meinen Gewohnheiten zu entſagen, und an Ihrer Seite zu ſein? fragte Alfred glühend.
Dann um ſo mehr würde ich entfliehen, ſagte ſie,
unendlich traurig.
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Und weshalb, Julia? 3 „Weil es Sie dann ſchmerzen würde, wenn ich einſt nicht mehr an Ihrer Seite bin..
Oh mein Gott, rief Alfred erblaſſend, Sie denken doch nicht daran, mich zu verlaſſen, mich aus Ihrer Nähe zu verbannen?


