Sie wohnte bei ihm als ſein junger Freund Julius Brander, und die Wenigen, die von ihrem Aufenthalt bei dem jungen Baron von Wülfingen wußten, hatten ſich bald an dieſen bleichen, ſchwermuthsvollen, ſtillen Knaben gewöhnt, und achteten nicht weiter auf ihn.— Anfangs wohl fragten ſie Alfred, womit ſich denn der Knabe den ganzen Tag beſchäftige, da er niemals ausgehe, ja ſogar niemals ſein Zimmer zu verlaſſen ſcheine?
Alfred ſagte: Mit Leſen und Studiren! Er iſt ſchwermüthig, mein armer junger Freund, und ſein Vater hat mich erſucht, ihn nicht zu hindern in dieſem Hang zur Einſamkeit, den er von ihm geerbt habe, und bei dem Beide ſich glücklich fühlen.
Und weshalb iſt er denn hier?
Um ſein bedeutendes Talent zur Malerei auszu⸗ bilden!
ſeh Ach, er malt. Laſſen Sie uns doch ſeine Arbeiten ehen! 8.
Nein, noch nicht! Ich habe ihm mein Wort ge⸗ geben, Niemand irgend eine ſeiner Arbeiten zu zeigen, bevor er mich nicht ſelbſt darum bittet!
Nun, ſo laſſen wir dieſen ſtummen, kopfhängeriſchen Knaben! Kommen Sie, Alfred, begleiten ſie uns doch! Es iſt heute großes Maskenfeſt bei Kroll!
Aber Alfred pflegte ſolche Einladungen nicht mehr anzunehmen. Selten ſah man ihn bei Feſten, Geſell⸗ ſchaften, ſelten auch bei ſeiner Braut, der Baronin Elsleben junger Tochter Emmy. Er weilte am liebſien daheim bei ſeinem Freunde Julius Brander, und ſeine Freunde, die ihn anfangs mit dieſem Einſiedlerhang geneckt hatten, hörten damit auf, ſich an dieſe„Laune“ zu gewöhnen, und ließen ihn gewähren.
So blieb er denn allein und ungeſtört die Abende


