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paßten nicht für einander! Wir nicht! Aber Gottes Segen über Dich!
Sie knieete nieder und betete und ging mit lange ſamem Schritt in die Kirche und ſchien andächtig zu
horchen. Dann flüſterte ſie: es war eine ſchöne Rede, aber ich konnte es nicht aushalten, darum bin ich fort⸗ gelaufen aus der Kirche. So, hier im Walde wird mich Niemand ſehen! Hier darf ich weinen! Keine Menſchen ſehen hier meine Thränen, nur Gott allein, und der wird ſie trocknen! Und der Niklas iſt doch
tröſten! Ach, biſt Du da, mein einziger Freund? Laß mich ruhen in Deinem Glanze, daß ich wieder geſund werde und ſtark!
Sie ſchaute mit flehendem Ausdruck zum Monde empor und betete ein Gebet der Angſt und der Schmer⸗ zen, der Hoffnung und Zuverſicht, und die Wahnſinnigen weinten und lachten, zürnten und fleheten fort und fort.
Luiſe aber ſchlich jetzt ſtill zu ihrem Bett hin, faltete die Hände und legte ſich, Gebete murmelnd nieder.
Nun wird ſie ſogleich erwachen, ſagte der Arzt, der Paroxismus iſt für heute vorüber, denn der Mond ſteht nicht mehr am Fenſter.
Ach, laſſen Sie uns Ihr Erwachen ſehen!


