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mit einem Spruch, einem recht frommen Spruch!— Du weißt Keinen?— Nun, ich will ihn Dir ſagen:
Dem Armen laß das Brod gedeih'n, Dann wird ſich's Herz im Leib ihm freu'n, Den Armen mach, o Vater, ſatt,
Damit er'n Stückchen Himmel hat.
O, wie dumm, wie dumm! rief die Kranke neben ihr mit lautem, höhniſchen Lachen, ja, ſie iſt doch wahn⸗ ſinnig, denn ſie lacht und weint nicht mehr! Ach, wie dumm!
Und ihr Lachen übertönte noch das leiſe Klagen und Wimmern der andern Weiber.
me war wieder ernſt geworden, ſie ſah ein anderes Bild.
Die Glocken läuten, ach, wie fröhlich ſie läuten, und doch iſt's, als wenn mir jeder Ton das Herz zer⸗ ſchneiden wollte! Nun, wer keinen Freund auf Erden hat, den liebt Gott im Himmel da droben um ſo viel mehr! Jetzt wird er kommen und die Hanne wird an ſeiner Seite gehen, mit einem grünen Myrthenkranz im Haar, und in der Hand ein Geſangbuch mit zwei bren⸗ nenden Herzen auf dem Deckel. Ja, das Geſangbuch hat er mir einſt geſchenkt, ich hab's ihm nun wieder gegeben! Um Gotteswillen, nur keine Thränen, denn ſie werden mich auslachen und ſagen, ich wäre ihm noch gut, obwohl er mich verlaſſen hat. Nein, nur nicht weinen! Immer luſtig, immer luſtig! Hei, da kommt der Hochzeitszug! Kommt, Mädchen, kommt, wir gehen mit zur Kirche!— Und ſie reichte ihrer Freundin den Arm und nickte dann mit einem ſchmerzvollen Lächeln dem Bräutigam.— Nun, Niklas, Glück zur Hochzeit! Ich wünſche es Dir von Herzen! Wir Beide


