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Luiſe ſank nieder auf ihre Knie und weinte bitter⸗ lich, und mit ihr weinten alle die andern Weiber bit⸗ tere, ſchmerzvolle Thränen, und das Weib in dem La⸗ ger neben Luiſe flüſterte: nein, nein, ſie iſt doch nicht wahnſinnig, denn ſie weint, und es gehört viel Ver⸗ nunft dazu, weinen zu können und unglücklich zu ſein. Die Wahnſinnigen ſind ſo glücklich, die weinen niemals! Ach, warum bin ich nicht auch wahnſinnig!
Und ſie ſchluchzte lauter und Ströme von Thränen entſtürzten ihren Augen. Das war ein Klagen, ein Jammern und Schluchzen ringum im Saal, daß ſelbſt die Augen der Baronin ſich mit Thränen füllten nnd ſie ſich tief erſchüttert abwenden mußte.
Die armen Weiber weinten noch immer, als Luiſe ſich ſchon wieder emporgerichtet hatte mit heiterm Ge⸗ ſichte, mit lächelnden Lippen.
Die Bilder, welche an ihrem innern Auge vorüber⸗ zogen, wechſelten. Jetzt ſah ſie ſich als heitere Jung⸗ frau, mit Eifer und Ernſt ihren ländlichen Beſchäfti⸗ gungen obliegend.
Kommt, Rieke und Hanne, kommt, wir wollen das Brod backen!— Und nun ſtand ſie an der Mulde und bewegte die Arme zum Backen des Brodes, und wen⸗ dete es nach allen Seiten hin und knetete es ſorgfältig, und dabei flüſterte ſie, athemlos von ſo viel Anſtren⸗ gung: ach, das wird Brod werden, ſchönes Brod. Ach Hanne, was iſt das für ein ſchönes Wort Brod! Hüpft nicht dem Armen das Herz im Leibe, wenn er es hört? Ja, ja, das Brod, das iſt uns Armen der Leib des Herrn, und wir denken immer an ihn, wenn wir es eſſen!— Du frägſt, warum ich das Brod ſo liebe? Ich habe ſo viel gehungert, Hanne, ach, ſo ſehr
viel! Hunger thut ſo weh! So, das Brod iſt fertig, da, jetzt wollen wir es in den Ofen ſchieben! Aber


