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pelt, dann ruhſt Du neben mir, dicht neben mir auf Erden im kühlen ſchönen Waſſer, und bleibſt auch da oben am dunkeln Himmel. Ach wie lange, lange ha⸗ ben wir uns ſchon geliebt, wir Beide! Wie ſchöne Mährchen haſt Du mir nicht erzählt von goldenen Prinzeſſinnen und funkelnden Königen, wie oft haſt Du nicht mit mir gelacht, wenn ich aus dem Walde heim⸗ kam und Du meinen Schatten an der Erde malteſt und ihn vor mir her tanzen ließeſt, damit ich nicht al⸗ lein ſei, ſondern einen luſtigen Spielkameraden habe! Wie oft haſt Du mich nicht getröſtet, wenn ich weinte, und haſt mir die Thränen getrocknet mit Deinem ſchö⸗ nen Angeſicht! Ja, Du biſt immer meine Hoffnung ge⸗ weſen und meine Zuflucht! Und wenn Alle mich ver⸗ ließen, Du biſt mir treu geblieben, Du biſt immer wie⸗ der gekommen, mein Herz zu erfreuen, und wenn Alles dunkel in mir war und finſtere Nacht, dann biſt Du gekommen und haſt Alles in mir erhellt, und himmli⸗ ſcher Troſt hat mir aus Deinem Antlitz geſtrahlt. Du biſt der armen Luiſe einziger, treuer Freund geweſen, und wohin ich ging, immer biſt Du mir gefolgt, immer haſt Du mich ſtill getröſtet und beglückt. Aber dafür habe ich auf Erden auch nichts geliebt, als Dich allein, und Nie⸗ mand auf Erden hat mich lieben wollen, als Du allein!
Eine Wolke zog über den Mond hin, dem Luiſe, während ſie ſprach, immer ihr Antlitz zugewendet hatte. Ihre Augen waren feſt geſchloſſen, aber ſie ſah doch dieſe Wolke und klagte leiſe: warum verfinſterſt Du Dich, Du Schöner, Du Glänzender? Weinſt Du um Deine Luiſe, weil ſie ſo arm iſt und auf der ganzen großen Welt keinen Freund, hat außer Dir? Ja, ja, es iſt auch zum Weinen; die Armen ſind ſo einſam, ſo troſtlos einſam auf Erden, ſie haben gar keinen Freund, außer Gott! Komm, wir wollen zuſammen weinen, Du mein einziger Freund! 4


