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8 Das arme Weib lag noch ruhig da mit hoch⸗ aͤathmender Bruſt und fliegenden Gliedern, und ihre 4 zitternden Lippen ſtammelten Gebete, anfangs laut und heftig, dann immer leiſer und undeutlicher. Die Span⸗ nung ihrer Züge ließ nach, ihr Antlitz nahm einen ruhigen, ſchmerzlichen Ausdruck an, dann ſchlug ſie die Augen auf und ließ ihre matten Blicke an den Umſtehenden umherſchweifen. Als ſie den Arzt gewahrte, ſagte ſie matt: ach, Herr Doctor, Sie ſind da? Dann bin ich wohl wieder krank geweſen, nicht wahr? Ach meine Glieder, meine armen Glieder!*).
Die Baronin verließ ſchaudernd und in ſich er⸗ bebend das Haus des Schreckens, und kehrte in ihre ſchöne glänzende Wohnung zurück. Es iſt Alles um⸗ ſonſt, ſagte ſie ſeufzend, als ſie in ihrem Boudoir allein war. Ich thue Alles um mich zu zerſtreuen, und meine Gedanken von ihm abzuwenden. Aber ſie kehren immer wieder zu ihm, zu dem ſchönen Fürſten zurück. Oh Gott, wirſt Du Deiner getreuen Dienerin nicht bei⸗
ſtehen, daß ſie ihren Geliebten gewinnen kann? Be⸗ denke, was Alles ich für Dich thue und wie treu ich Dir ene. Stehe mir alſo bei, mein Gott, ſteh mir bei!
*) Dieſe arme Luiſe lebt nech jetzt in der neuen Charité. Ich ſelbſt habe ſie in dieſem räthſelbaften Zuſtande geſehen, und nur mit ſchwachen Farben das wiederzugeben verſucht, was ich von ihr in dieſem wunderbaren Traumleben vernommen.
D. V. Ende des erſten Bandes.
Druck von F. Hoffſchläger in Berlin.


