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doch waren ihre Arme frei, ihr Auge war wie gebannt an den Himmel, und doch zeigte ſich dort nichts Außer⸗ gewöhnliches.— Die Sonne ging unter und noch ſtand das Weib und ſtarrte empor zu dem im Abendroth er⸗ glühenden Himmel. Und drüben am Horizont zeigte ſich jetzt ein goldig glänzender Schimmer, das Mäd⸗
chen richtete ſich auf aus ihrer Erſtarrung, es kam wie⸗
der Leben und Beweglichkeit in ihre erſchlafften Züge, ihre bleichen Lippen lächelten, und athemlos, mit em⸗ porgeſtrecktem Haupte blickte ſie hin nach jener Seite, wo immer heller und heller der Himmel erglänzte, und wo groß und golden der Mond jetzt emporſtieg.
Der Mond! der Mond! rief ſie mit einem wilden Aufſchrei des Entzückens, und dann ſank ſie zuckend und ächzend zuſammen. Zwei Krankenwärterinnen hat⸗ ten lange ſchon ſie aus der Ferne beobachtet, jetzt eil⸗ ten ſie herbei und trugen das jammernde Weib hinein in das Haus.
In dieſem Augenblick hielt ein Wagen am Hofthor, die Klingel erſchallte und der ſchon vom Arzte benach⸗ richtigte Portier ließ eine tief in Pelze gehüllte Dame eintreten.
Aus dem Hauſe kam ihr ein Arzt der Anſtalt ent⸗ gegen und reichte ihr mit ehrerbietigem Gruße den Arm, um ſie in's Haus zu führen.
Ich hoffe, ich bin zu rechter Zeit gekommen, ſagte die Dame, welche Niemand anders war, als die Ba⸗ ronin Elsleben. So eben ſtieg der Mond empor, und nicht wahr, um dieſe Stunde—
Um dieſe Stunde beginnt die wunderbare Krank⸗ heit des armen Mädchens, ſagte der Arzt, eine Krank⸗ heit, die zu den ſeltenſten Erſcheinungen gehört, und die in ihren Aeußerungen ſo außergewöhnlicher und intereſ⸗ ſanter Art iſt, daß ich mir wohl erlauben durfte, die gnädige Baronin darauf aufmerkſam zu machen.
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