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Und an den obern Fenſtern zeigen ſich die bleichen, abgezehrten Geſichter der erkrankten Verbrecher, und ſie ſchauen mit Neid hernieder auf dieſe Unglücklichen, die ſo glücklich ſind in ihres Unglückes Unbewußtheit, die nichts wiſſen von den unendlichen Qualen, von der nimmer ruhenden Marter und Angſt, welche ſie da droben erdulden!
Ach aber wie bald, und dieſe Stunde der Freiheit iſt vorüber, und die Kranken müſſen wieder hinein in die dumpfe Luft ihrer Gemächer, um gequält zu wer⸗ den mit Pflaſtern und Medicamenten, um gemartert zu werden mit Nadeln, die man in ihre Arme ſtößt, daß ſie immer tiefer ſich einbohren in ihr Fleiſch, mit Sal⸗ ben, die man auf die geſchornen Häupter reibt, und die ſich bis auf den Schädel durchfreſſen mit ihrer ätzenden Kraft. Und durch dieſe Marter des Leibes ruft man die Seele wach aus ihrer ſüßen Betäubung und ihrer freudvollen Bewußtloſigkeit, erweckt man ſie zur Erkenntniß ihres Wahns und zum Bewußtſein ihres unermeßlichen Jammers!
Der Hof war wieder leer, nur ein Weib ſtand noch da; an die Mauer des Hauſes gelehnt, blickte ſie mit ſtarrem, troſtloſem Ausdruck empor zum Himmel; Sehn⸗ ſucht und Schmerz, Glück und Qual zugleich malte ſich wechſelnd in ihren Zügen, und ihre irrenden Augen ſchienen am Himmel etwas zu ſuchen.— So ſtand ſie lange Zeit, bewegungslos, ſtarr, und ihre Wangen erbleichten mehr und mehr, und der Ausdruck ihres Antlitzes ward immer trauriger, ſchmerzvoller. Sie war nicht ſchön und nicht jung, ihre kleine Geſtalt hatte nichts Außergewöhnliches und Anziehendes, aber es war etwas Räthſelhaftes, Seltſames in ihrer ganzen Er⸗ ſcheinung, es war, als ob eine geheimnißvolle unſicht⸗ bare Macht dies bleiche, ſtille Kind in ſeinen Banden halte. Sie ſchien ſich nicht bewegen zu können, und


