wollen wir heute verjubeln und Ihre Ankunft feiern, und es ſoll ein Freudentag ſein für mich! Ja, ja, wir armen Leute machen wenig Umſtände miteinander und wo ſich die vornehmen Leute zieren, da ſagen wir friſchweg die Wahrheit, und die Wahrheit iſt, daß Sie mir gefallen, und daß ich Ihnen darum ein Feſt geben will! Wenn Sie Nein ſagen, dann ſehe ich daraus, daß Sie immer doch'ne Vornehme geblie⸗ ben ſind, und nichts wiſſen wollen von uns armen Leuten!
Ich ſage aber nicht Nein, ſagte die Dame, ſchnell das Richtige erkennend, und mit zartem Tacte füh⸗ lend, wie ſehr ſie die Alte durch eine abſchlägige Antwort verletzen würde. Wenn Sie uns haben wol⸗ len, kommen wir zum Kaffee zu Ihnen!
Das iſt prächtig, jubelte die Alte. Das ſoll eine Luſt werden! Gott ſegne den Hofball, denn der hat mir heute meine ſieben Silbergroſchen eingetragen!
Der Hofball? 3
Ja wohl, der Hofball! Denn Sie müſſen wiſſen, ich bin nicht bloß das alte Lumpenweib, wie ich Ih⸗ nen jetzt erſcheine, ſondern auch noch eine ſehr ge⸗ lehrte Frau, und wenn Sie die Kammermädchen der vornehmen Damen fragen, ob ſie mich kennen, ſo werden ſie Ihnen ſchon ſagen, daß die alte Frau Winkler eine ſehr berühmte Fleckausmacherin iſt, und die Flecken aus Seide und Wolle herausbringt, daß keine Spur mehr davon zu ſehen iſt! Und auf dem geſtrigen Hofball hatte die Gräfin Aurelie ein Glas Champagner über ihr weißes Atlasgewand bekommen, nun,— fuhr ſie ſtolz fort,— ich habe den Flecken fortgeſchafft, daß keine Spur mehr davon geblieben iſt! Dafür bekam ich ſieben und einen halben Silber⸗ groſchen. Den Sechſer gab ich in meiner Freude dem alten Weibe, die immer da in der Charlottenſtraße


