— 17—
überzog ſich plötzlich wie mit einem Sonnenſtrahl des Glückes. Ich kenne Einen, der iſt vornehm und doch gut und edel, und— doch das gehört nicht hieher, unterbrach ſie ſich dann ſelber. Jetzt wollen wir von Ihnen ſprechen und Sie willkommen heißen mit Ih⸗ rer Tochter da. Iſt ſie Ihre Einzige?— Nein, ich habe noch zwei kleinere Mädchen, die drunten im Hofe ſpielen. O, Sie nennen ſich arm, rief die Alte, und ſind doch eine ſo reiche Mutter! Drei Kinder, die Ihnen ggehören, die Sie lieben dürfen, und die Sie wieder lieben! Ach, wie glücklich ſind Sie!
Sie haben keine Kinder?
Ich? fragte die Alte, und in ihren Zügen zuckte ein tiefer Schmerz. Dann, nach einer Pauſe, ſagte ſie leiſe: nein, ich ſtehe ganz allein!
Sie ließ das Haupt auf ihre Bruſt ſinken und ſchwieg, während langſam ein paar Thränen über ihre Wangen rollten. Die Baronin und Louiſe betrachteten
ſie mit theilnehmenden Blicken, als die Alte ſich plötz⸗
lich aufrichtete und heiter ſagte: nun, verzeihe mir Gpott meine Schlechtigkeit! Sieht es nicht aus, als wenn iich Ihnen Ihre lieben Kinder beneidete. Nein, Gott erhalte ſie Ihnen noch lange, und damit Gott be⸗ fohlen! Sie nickte freundlich mit dem Kopfe und wollte ggehen, als ſie ſich noch einmal umwandte und haſtig ſagte: Sie gefallen mir ſo ſehr, liebſte Madame, und dda will ich Sie um was bitten! Und Sie gefallen mir ſo ſehr, daß ich gewiß gern thun werde, was Sie wünſchen, ſagte die Baronin lächelnd.
Trinken Sie heute mit Ihren Töchtern Kaffee bei mir. Ich habe heute einen ſehr guten Tag gehabt und ſieben blanke Silbergroſchen eingenommen. Die
2 3


