— 19—
an der Ecke ſitzt und mit ihrem alten Kopfe wackelt, daß es Steine erbarmen kann, und die ſieben Sil⸗ bergroſchen, die ſollen uns ein Feſt bereiten, wie die Tamilienhäuſer noch nie eins geſehen. Alſo, in einer Stunde erwarte ich Sie! Sehen Sie, es iſt nur Ein Schritt von Ihnen zu mir herüber. Denn dieſe Thür hier geradeüber, die führt in meinen Salon. Nicht wahr, ſo nennen die vornehmen Leute ihre Be⸗ ſuchszimmer?
Siie nickte ihnen lächelnd zu und ging hinüber in das Zimmer, deſſen Thür mit Nr. 39 bezeich⸗ net war.
Die Baronin ſah ihr ſinnend nach, dann ſagte ſie zu Louiſen: von dieſer alten Frau werde ich Vieles zu lernen haben, denn ſie repräſentirt mir die Ar⸗ muth in ihrer ganzen Ehrwürdigkeit und Heiterkeit. Ich habe Dich bewundert, daß Du es vermochteſt, ihr die Hand zu geben, ſagte Louiſe.
Weshalb? Habe ich ſie doch oft genug Weibern gegeben, deren Seele von dem Schmutz der Sünde beſudelt war, und die, trotz des Ambra und Moſchus, dufteten nach Verweſung. Dieſe alte Frau iſt rein an ihrer Seele, wie an ihrem Leibe, weshalb alſo ſollte ich ihr nicht die Hand geben?.
Du haſt Recht, ſagte Louiſe, die Augen beſchämt zu Boden ſchlagend. O, ich werde noch Vieles zu lernen, Vieles zu vergeſſen haben! 3


