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O mein Gott, ſeufzte Louiſe, mühſam noch ihr Schluchzen unterdrückend. Wie entſetzlich iſt es, Dich ſo leiden, ſo entbehren zu ſehen. Dich, einſt ſo umge⸗ ben von Glanz und Luxus, und jetzt—
Laß dieſes Einſt! unterbrach ſie ihre Mutter. Mit dem, was vergangen iſt, müſſen wir für immer ab⸗ geſchloſſen haben, und es weder beklagen, noch auch es zurück wünſchen. Von heute an ſind wir in neue Verhältniſſe getreten; der Kampf gegen das Elend und die Noth, den wir ein Jahr lang muthig und unverdroſſen gekämpft, dieſer Kampf muß von heute an aufhören. Von dieſer Stunde ab überlaſſen wir uns der Armuth, und ſuchen nicht mehr verſchämt unſere Noth zu verbergen, ſondern tragen ſie frei zur Schau, als die paſſendſte Tracht unſeres Gewer⸗ bes, und dies Gewerbe es iſt: Hunger und Armſe⸗ ligkeit.
Aber war es nöthig, daß es bis zu dieſem Aeu⸗ ßerſten kam, ſeufzte Louiſe kaum hörbar. Wäre es nicht beſſer geweſen, weniger—
Halsſtarrig zu ſein, fiel ihre Mutter ein. Ich weiß, daß man mich ſo nennt. Aber meine Hals⸗ ſtarrigkeit iſt wohl begründet, und keine Macht der Welt ſoll mich zu anderer Geſinnung bekehren. Ich mag und will nicht von Almoſen leben, und vor der Heuchelei und Falſchheit werde ich niemals mich beu⸗ gen. Ich verachte die Welt, und verachte die Men⸗ ſchen, ſie ſind falſch und trügeriſch, und auf ihrer Lippe iſt nichts als Heuchelei und Lüge. O dieſe Menſchen, ſie haben uns, die unſchuldig Leivenden, mit höhniſchen Worten und mitleidslos von ſich ge⸗
ſtoßen, und Du willſt, daß wir vor ihnen bettelnd auf den Knieen liegen? Nein, nein! Sie ſollen vor uns zittern, zu uns ſollen ſie flehen, denn wir wer⸗ den gegen ſie kämpfen, ihre Heuchelei an das Licht


