Teil eines Werkes 
1. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

5

4 mächtigen Gebäude liegt, nun dröhnen die dunklen trüben Fenſter wieder von dem Schreien und Jubel⸗ kreiſchen der Kleinen, und hie und da öffnet ſich mühſam und knarrend ein Fenſterflügel und es zeigt ſich ein ſorgenvolles, durchfurchtes Angeſicht, das ſich erhellt beim Anblick der kleinen fröhlichen Kinder⸗ ſchaar; und der lächelnde Blick dieſes Beſchauers iſt ein Segen und Seufzer zugleich, denn er weiß wohl, daß dieſe Freude nicht lange dauern, und daß, mit dem Wachſen dieſer jungen, ſchwellenden Glieder,

auch die Sorgen und die. Noth wachſen werden, und

darum ſind ſeine Gedanken ein ſeufzender Segen für die Zukunft dieſer Kleinen.

Ach aber dieſe Kleinen, ſie wiſſen nichts von Sorgen und Noth. Der weite, ſchmutzige Hofraum hat ſich unter ihren magiſchen Blicken ihnen ver⸗ wandelt, die Kinderphantaſie iſt lächelnd und ſingend darüber hingefahren, und in jauchzendem Spiele haben ſie die Lumpen, die groben Gewänder von ſich ge⸗ worfen, um ihre kleinen ſchwachen Schultern mit Kö⸗ nigsmänteln und Purpurgewändern zu bekleiden, um im glänzenden Gefolge von Soldaten und Dienern einher zu ſtolziren; und auf den Geſichtern dieſer kleinen Lumpenkönige wechſelt mühſam unterdrücktes Lachen mit künſtlicher Gravität. Die Kinder der Armuth ſpielen mit dem, was ihnen verſagt iſt, ſie holen mit ihren ſchwachen Händen den Purpurmantel und die Königskrone ſich herbei, ſie greifen mit ihrer mächti⸗ gen Kinderphantaſie kühn hinauf in den Himmel und ziehen Mond und Sterne herunter zu ſich und

ihren Spielen. Aber dieſe Königspracht des Wahns, dieſe muntern Spiele, dies Jauchzen und Singen, es

dauert nur kurze Zeit; mit dem Schlag der zweiten Stunde verſchwinden alle dieſe Geiſter des Glückes und der Luſt, und niedergebengt, traurig, den Opium⸗