Teil eines Werkes 
1. Theil (1860)
Entstehung
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wie ein Dankgebet, ſondern wie ein Aufſchreien der flehenden Angſt, des zitternden Jammers erklingt, und Einem Thränen in die Augen drängt, Thränen über dieſe armen, frierenden, hungernden Kinder.

Droben in den obern Stockwerken aber hört man, die langen Corridore hinabſchreitend, und lauſchend an den vielen Thüren, die auf dieſelben ausmünden, ſtehen bleibend, das eintönige melancholiſche Klappern der Webeſtühle, das leiſe Hämmern des Schuſters, und wenn hie und da jammervolles Aechzen und Klagen dies arbeitſame Geräuſch unterbricht, ſo kommt dies von den Lippen irgend eines armen Kranken, der arbeitsunfähig auf einſamem Strohlager wimmert, und vielleicht her⸗ ber, wie an den Schmerzen der Krankheit, an den Schmerzen des Hungers leidet. Aber es giebt auch Stun⸗ den, in denen dieſe Räume ſich beleben, in denen Jauchzen und Jubeln durch die Corridore ſchallt, und die trüben Augen der arbeitenden Frauen aufleuchten in freudigem Glanze. Das ſind die Stunden, in denen die Kinder, frei vom läſtigen Schulzwang, be⸗ freit aus der drückenden, verpeſteten Luft des großen finſtern Schulſaales, zu den Ihrigen eilen, um froh und zufrieden von ihren Müttern die kärgliche Mahl⸗ eit, das Stückchen Brod oder die wenigen gekochten Kartoffeln zu erhalten, die ihnen als Mittagseſſen dienen ſollen. Aber die Kinder nehmen jubelnd, was die Mütter ihnen ſeufzend reichen, ſie wiſſen nichts von der Mühe und Qual, womit auch dies Wenige erworben und verdient wird, ſie wiſſen aber auch nicht, daß es noch andere Genüſſe und koſtbarere Mahklzeiten giebt, als Brod und Kartoffeln. Sie ſind zufrieden, und hüpfen ſingend und jubelnd hinunter in den Hof, gewiß, dort ihre Freunde und Kamera⸗ den, gewiß, dort Luſt und Freude zu finden. Nun belebt ſich der ſtille Hof, der inmitten dieſer drei