Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
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und wie ſie die Mutter iſt alles Wiſſens,

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fühle ich mich freudig in Dir erneuert, und in mir Dein Daſein wiederholt. Sieh, Tonina, heute iſt es ein Jahr, daß wir die Welt ver⸗ laſſen und uns geflüchtet haben in den Frieden der Natnr, und täglich neu ſegne ich unſern Ent⸗ ſchluß.

Ein Jahr ſchon? ſagte Tonina verwun⸗ dert;mir iſt dieſe Zeit vergangen wie ein ſüßer, wonniger Traum! Und doch iſt dieſes Jahr für mich ſo reich, ſo inhaltsſchwer; doch haſt Du in dieſer Zeit mich zu einem andern Weſen um⸗ gebildet, und unwiſſend, wie ich war, hſt Du mir das Reich des Wiſſens und Erkennens auf⸗ geſchloſſen. Du lehrteſt mich die Dichter verſtehen, und durch ihre himmliſchen Worte die Schönheiten der Natur doppelt begreifen und erfaſſen. Nie zuvor war mein Auge dieſen Schönheiten ſo er⸗ ſchloſſen, und ſog mein Ohr mit entzücktem Lau⸗ ſchen ihre Wunderklänge ein, als jetzt, wo die Natur mir durch die Erkenntniß ihrer wunder⸗ vollen Macht und Größe vertrauter und lieber geworden. Als ich unwiſſend war, da ſchien die Natur mir kalt und leblos, und ich verſtand nichts von ihrer Schönheit und Größe. 3

Alles Wiſſen, wenn es das rechte iſt, muß ausgehen von der Natur, ſagte Antonio,und wiederum zurückführen zu der Natur, denn wurzelt alle Erkenntniß und alle Begei