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Söller der Villa ſtand, und entzückt hinblickte auf den Wald zu ihrer Füßen und hinaus in die lachende Landſe die in maleriſchem Farben⸗ wechſel ſich vor ihnen ausbreitete.
Die Natur iſt erwacht,“ ſagte Antonio leiſe; „ſieh, wie ſchön ſie geruht hat, und wie glücklich ſie lächelt in ihrer Morgenfriſche! Es wird heute einen ſchönen Tag geben, denn die Erde hat ſo hell ihre Augen aufgeſchlagen, und die Sonne küßt ihr die Freudenthränen aus den Blumen⸗ augen.“
Tonina hatte nicht auf das ſchöne Schauſpiel geſchaut, ſondern mit innigem Liebesblick waren ihre Augen unverwandt auf ihren Geliebten ge⸗ heftet, der, beſtrahlt von der Sonne, ihr heute wie ein glänzender Cherub erſchien.
Sie ſchmiegte ſich feſter an ihn, und ſagte zärtlich:„Deine Augen ſind die ſchönſten Blu⸗ menaugen, mein Antonio; o könnte ich die Sonne ſein, die Dich jetzt umſtrahlt und die Thränen der Blumen aufküßt!“
Antonio blickte innig zu ihr nieder, und ſagte zärtlich:„Du biſt es, meine Tonina! Dein Lie⸗ besblick ruft alle Blüthen meiner Seele wach, und kräftiget mein Wollen und Denken. In dieſer ſüßen Gemeinſchaft mit Dir iſt erſt das wahre Glück der Natur mein Eigen geworden, und in dieſem heiligen und geheimnißvollen Zwieleben, das ſich verſchlinget zu einem Einzigen, Einen,


