Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
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Ihr habt mich

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fliehen könnt, daß Eure Füße nicht gebunden ſind, und Euer Wille nicht gefeſſelt, daß Ihr der Welt entſagen dürft! Aber ich verliere, indem ich Euch ſcheiden ſehe. Inmitten des Unfriedens dieſer Welt war es mir ein Troſt, in Eure friedlichen Züge zu ſchauen, und umgeben von Masken und Larven ſtärkte ich mich an Eurem unverhüllten, natürlichen Angeſicht, an Eurem Auge voll Wahrheit und Reinheit. Ich hätte bedenken ſollen, daß dieſer Troſt mir nur für kurze Zeit bleiben konnte. Ihr mußtet unterliegen, oder fliehen, und ich war ein Thor in mancher Stunde, zu hoffen, die Reinheit Eures Weſens, die Wahrheit Eurer Handlungen könnte den Sieg davontragen über Unreinheit und Lüge. Armer junger Freund, fuhr er fort, ſeine Hand liebevoll auf Antonio's Schulter legend, Ihr habt viel gelitten und geduldet durch meine Schuld, habt gekämpft mit einer Natter, die Ihr wohl unter Eure Füße getreten, die Euch aber, in⸗ dem Ihr ſie zertratet, mit giftigem Biß in die Ferſe ſtach! Dieſe Schmerzen habe ich verſchuldet, und Fürſt und Herxſcher, wie ich bin, fehlt es mir doch an Macht ſie zu lindern und zu heilen!

Dieſer Augenblick lindert alle Schmerzen, rief Antonio, des Vicekönigs Hand an ſeinen Buſen drückend,denn er giebt mir den Troſt Eurer Theilnahme, Eurer Liebe, und das iſt ein Bal⸗ ſam, der ſeine heilende Kraft niemals verfehlt. ich den Menſchen, nicht den Fürſten

Antonio.