Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
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Ihr wollt Palermo verlaſſen, Signor Conte? fragte Jacopo weich, und faßte Antonio's Hand.

Nennt mich nicht Graf, ſagte dieſer,ich will nichts ſein, als ein Menſch, ein freier Sohn der Natur!

Tonina hatte bewegungslos und zitternd dage⸗ ſtanden. Schnell wie der Blitz hatte Antonio's Erſcheinung in ihrer Seele gezündet, und mit leicht beweglicher ſüdlicher Leidenſchaft von dem Manne ihrer erſten Liebe in Abſcheu und Verachtung ſich losſagend, hatte ſie ihr ganzes glühendes Herz dem Manne zugewandt, der ihr erſchienen war wie ein rettender Engel, und den zu achten und anzubeten ihre Dankbarkeit ſie drängte.

Lebt wohl! wiederholte Antonio, und wandte ſich, um zu gehen, als Tonina ſich vor ihm niederwarf, und ſeine Knie umklammernd flehte: O Signor, geht nicht, verlaßt mich nicht! Laßt mich Euch begleiten als Eure Magd, Eure Scla⸗ vin, laßt mich Euren Schritten folgen wie das Hündlein ſeinem Herrn folgt! Stoßt mich nicht von Euch, mich, die arme Tonina, die, ſeit ſie Euch geſehen, nichts denkt als Euch, nichts betet als Euren Namen! O ſtoßt mich nicht von Euch, weil ich arm bin und niedrig! Ich will ja nichts ſein, als Eure Magd, Eure demuthsvolle Magd, will den Staub von Euren Füßen küſſen und auf der Schwelle Eurer Thüre ruhen! O ſtoßt mich