Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
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nen in Tonina's Augen, und ſelbſt Jacopo's Züge zuckten in Rührung.

Antonio klagte leiſe:Ein Einſamer, Ver⸗ laſſener bin ich auf Erden, und Niemand iſt, der mich liebt! Was ich liebte, hat mich ver⸗ rathen, und wo ich vertraute, ward ich ge⸗ täuſcht! Ein Heimathloſer irr' ich umher, und keine Seele iſt, die mir gehört, kein Herz, das für mich ſchlägt!

Wie er leiſe ſo klagte, ſtürzte Tonina mit ſtrö⸗ menden Thränenfluten neben dem Jüngling auf ihre Knie nieder, ihr Buſen flog in leidenſchaftlicher Erregung, und leiſe ihren Arm auf Antonio's Schulter legend, ſagte ſie weich:O Signor Conte, ſprecht nicht ſo! Und wenn die ganze Welt Euch verrathen und verlaſſen hätte, wir bleiben Euch treu! Und wenn Niemand Euch liebte, Tonina würde niemals aufhören, ihren Retter zu lieben, und zu der Sancta Madonna für ihn zu beten!

Antonio hatte das Haupt langſam aufgerich⸗ tet, während das Mädchen ſo ſprach, und mit umſchleierten, wehmüthigen Blicken hatte er in

ihr vom heiligſten Mitgefühl bewegtes Antlitz

geſchaut. Lange noch, als ſie ſchwieg, blickte er ſie an mit zuckenden, kämpfenden Zügen, und dann flüſterte er leiſe zu ſich ſelbſt:Es giebt alſo noch ein menſchliches Weſen, das Antheil an mir nimmt!