Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
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Land.

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reichten mit leiſen, flüſternden Tönen Antonio's Ohr. Und er gedachte, wie er unter ſolchem Glockengeläute einſt auf dem Grabe ſeiner Mutter gelegen, und dies Grab ſeine einzige Heimath ge⸗ nannt, gedachte ſeiner nie vergeſſenen, ewig gelieb⸗ ten Mutter, deren letzter Scheideblick mit ſeiner unendlichen Wehmuth noch in ſeinem Herzen leuchtete.

Ach, war dieſe nicht auf Erden das einzige Herz geweſen, das ihn treu geliebt, und war er nicht für immer verwaiſt und heimathlos, ſeit ſie ihn verlaſſen? War er nicht eine Waiſe auf Er⸗ den? Ohne Vater, ohne Mutter? War er nicht ein Fremdling, ohne Freund, ohne irgend Einen, an deſſen Buſen er ſich lehnen, in deſſen Ohr er alle ſeine Klagen ergießen konnte? War er nicht verlaſſen von Allem, was er geliebt, verlaſſen von dem Freund, den er ſo heiß geliebt, verlaſſen von der Geliebten, die das Leben ſeines Lebens, das Licht ſeiner Seele geweſen?

Die Wirklichkeit mit all ihren Qualen kam über ihn, aber milde und weich löſte ſich die Pein ſeiner Seele in Thränen auf, die in heißen Strömen ſeinen Augen entſtürzten. Er fühlte es wie eine lindernde Wohlthat, und in der Einſamkeit und Stille um ihn her weinte und ſchluchzte er laut.

Wie er in tiefem Schmerzgefühl weinend am Boden lag, kam leiſe ein Fiſchernachen an's Ufer geplätſchert, ein Weib und ein Mann ſtiegen an's