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Wie oft hatte er damals ſo wie jetzt am Bo⸗ den gelegen, um mit entzücktem Ohr ſeinen Phan⸗ taſien zu lauſchen, die in lockenden Bildern ihm die glänzende Welt gezeigt, nach deren Herrlich⸗ keiten er dürſtete!— Der Durſt war geſtillt, ſeine Sehnſucht befriedigt worden, und doch lag er jetzt wie damals und lauſchte ſeinen innern Geſichten mit lechzendem Gaumen und matt gehetzter Sehnſucht.
Er dürſtete nach Einſamkeit, und ſehnte ſich nach Stille. Aus der Welt war er geflüchtet in den Wald, wie einſt aus dem Wald in die Welt, und er flüſterte leiſe zu ſich ſelbſt:„O Welt und Wald! In harmoniſchem Accord faſt ſich einend erklingt Euer Name, und wie ſeid ihr doch gleich den Polen des Südens und Nordens in nie ſich berührenden Kreiſen von einander getrennt! In dem Wald, da wohnt der Friede, da wohnt die Unſchuld und Stille, da feiert in nie berührter jungfräulicher Schönheit allmorgendlich die Natur ihr Wiegenfeſt, und Himmel und Erde bringen ihre ſchönſten Geſchenke dar. In dem Wald, da waltet Gott. Aber von der Welt iſt er fern, fern von ihrer Unkeuſchheit und ihrem Unfrieden, von ihrer Unruhe und Lüge! O ſtiller, ewig rau⸗ ſchender, ewig jugendlicher Wald, wie liebe ich Dich ſo heiß!“
Aus der Stadt herüber ertönte jetzt das abend⸗ liche Läuten der Glocken. Mit zitterndem, leiſem Klange bebten die Töne über das Waſſer, und er⸗


