Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
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gen ſeinen kindlichen Träum

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er ſie an ſein Herz drücken, und ſeine brennenden Lippen hafteten in einem langen Kuſſe an dem Boden.

So mit ausgebreiteten Armen, das Geſicht bergend im weichen Mooſe, lag er lange und un⸗ beweglich. Phantaſien gleich zogen die Schreckniſſe der letzten Stunden an ihm vorüber, aber er ſelber war ſchon wie ihnen entrückt, er ſchaute ſie an wie Bilder und Träume, die niemals wirklich geweſen. Nächtlichen Schatten und Geſpenſtern gleich zog nur zuweilen ein zuckender Schmerz durch ſeine Seele, und gleich dem heiſern Geſchrei des Raben vernahm er in ſich die Mahnung, daß dieſe Bilder des Schreckens kein Traum.

Das Flöten der Vögel, das Rauſchen der Bäume, das Brauſen des Meeres erreichte ſein Ohr, aber er hörte es nur unbeſtimmt und ver⸗ worren, es däuchte ihm nur die Begleitung zu der großen Tragödie, die in ſeiner Seele ſich abſpielte, und er ſelber war bei dieſer nur der Beſchauende und Staunende. Und inmitten der furchtbaren und erſchütternden Scenen, die an ſeinem innern Ohre vorüberzogen, erklang ihm zuweilen ein heller rufender Ton aus längſt vergangener Zeit, und die wechſelnden Bilder ſeiner Phantaſie führ⸗ ten ihn zurück in die längſt verklungene Vergan⸗ genheit. Er träumte ſich wieder zum Hirtenknaben, glaubte in friedlicher Ruhe die Kühe vor ſich wei⸗ den zu ſehen, und lauſchte in gerrächlichem Schwei⸗