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„Verzeiht! Und möge meine Verwunderung mich entſchuldigen. Der Anblick eines ſo gelehrten Hir⸗ ten konnte mich wohl überraſchen. Was leſ't Ihr denn da?“ 3
„Den Commentarius de bello gallico,“ ſagte Antonio unbefangen,„und Ihr habt mich ge⸗ rade unterbrochen, als Cäſar über die Alpen geht. Verſteht Ihr etwas von Geographie?“ fragte er raſch.
„Ein wenig,“ erwiederte der Unbekannte, ſicht⸗ lich ergötzt von der Unbefangenheit und Natürlich⸗ keit des Jünglings.
„Ach, das iſt ſchön,“ rief Antonio freudig; „o dann helft mir auf dieſer Karte hier doch ge⸗ nau die Stelle ſuchen, wo Cäſar hinüberzog nach Gallien.“
Der Fremde bückte ſich nieder, und ſuchte emſig
und aufmerkſam auf der Karte, dann deutete er
mit dem Finger auf eine Stelle hin, und ſagte: „Ich denke, hier war es. Seht, da ſteht es auch, St. Gotthardt.“
„Richtig, richtig,“ jubelte Antonio, und ſtarrte dann, in Gedanken verloren, auf den bezeichneten Punkt hin.
„Die Ausſicht auf jenem Berge iſt köſtlich,“ ſagte der Fremde nach einer Pauſe,„und man braucht nicht Cäſar zu heißen, um an jener Stelle den Wunſch zu ſden⸗ ſich die ſchönen Lande, die man überſchauk, zu unterwerfen.“ 8


