Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
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jener ſchöne Züngling nicht eben den Arm, ich würde ihn, wie er ſo daliegt in ſeiner Schönheit unter der prächtigen Eiche, für ein Gemälde Tiziano Bicell's halten. Seht, die Bäume legen ſich wie ein Rahmen um dieſes köſtliche Bild.

Wunderbar! fuhr er nach einer Pauſe, in der er unverwandt den Jüngling betrachtet, leiſe fort.Seine ärmliche Kleidung ließe eher auf einen Bettler als einen Gelehrten ſchließen, und doch zeugen die um ihn her ausgebreiteten Land⸗ karten und das Buch in ſeiner Hand von Gelehr⸗ ſamkeit. Ich will doch zu ihm gehen. Erwartet mich hier!

Mit einer gebieteriſchen Handbewegung winkte er ſeinen Begleitern, zurückzubleiben und ſchritt raſch auf Antonio zu, der jetzt von ſeinem Buche aufſchauend mit Verwunderung einen Fremden neben ſich erblickte. 3

Schön, ſehr ſchön, murmelte der Unbekannte in ſich hinein,das wahre Bild eines Antinous. Welche Augen, welch eine hohe, ſchöne Stirn und wie maleriſch die braunen Locken zu beiden Seiten der roſigen Wangen hinabfallen!

Antonio fühlte ſich beläſtigt von dem unver⸗ wandten Anblicken des Fremden, und er ſagte un⸗

willig:Wenn es Euch gefällt, Signor, ſo wen⸗ det Eure Augen auf einen andern Gegenſtand und

ſtört mich nicht länger in meinen Studien. Der Fremde lächelte, und erwiederte mild:

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