Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

ſorgſam bei Seite und beſchloß, dieſe Blüthen im kommenden Frühling genauer zu beobachten und ihren Nutzen zu erforſchen. So war Antonio Botaniker geworden, ohne es zu wiſſen, und kannte die Pflanzen, die Zeit ihres Wachſens, ihres Blü⸗ hens und Verwelkens, nur nicht die gelehrten Na⸗ men, die man ihnen gegeben. 3

Und als nun wieder der Frühling kam, als Antonio wieder, wie ſchon ſechs Frühlinge, die Kühe hinaustrieb in den Wald, da war es ihm diesmal, als habe er noch eine größere Freude wie ſonſt, als ſei ihm die Natur noch inniger befreundet, noch vertrauter wie in früheren Tagen, und die Blumen, mit denen er ſich den langen Winter hindurch beſchäftigt hatte, ſchienen in dank⸗ barer Liebe ihm zuzulächeln.

Immer inniger befreundete er ſich nun mit der ſtillen und einſamen Natur, die in unberührter Schönheit dem Jünglinge ihre verſchwiegenſten Myſterien offenbarte und ihn ihre keuſcheſten Reize anſchauen ließ.

Lange noch, ehe der Tag graute, zog er hinaus

mit ſeinen Kühen in den dichten Wald, und wenn er den Thieren eine paſſende Stelle geſucht, dann

ſtieg er mit eilendem Schritte die bewachſene wal⸗

dige Höhe hinan, wo er einen freien Ueberblick hatte in die Gegend umher. Noch war Alles wie in einen Nebel gehüllt, dann allmählig begann es ſich zu lichten, einzelne