— 16—
dunkelrothe Streifen ſchoſſen, gleich himmliſchen Boten, am Horizont empor. Bald war dieſer ringsum in purpurne Glut getaucht. Nun kam der Wind und zertheilte die wogenden Nebel und lichtete die Wolken, und plötzlich, wie durch einen Zauberſchlag, ſtrahlte die Sonne empor, durch⸗ leuchtete das grüne duftige Thal und gab den fernen Bergesſchluchten einen violetten durchſichtigen Duft. Antonio ſtarrte wonneglühend hinaus in die Gegend und flüſterte:„Da, da ſehe ich in der Ferne Häuſer ſtehen, dort alſo wohnen auch Menſchen! O wüßte ich doch, wie jene Gegend heißt!— O wüßte ich doch,“ ſagte er laut und blickte empor zum Himmel,„woher die Sonne Morgens kommt und wohin ſie Abends geht!“— Ein Vogel flog vorüber, Antonio folgte ihm mit den Augen, wie er weit in die Ferne hinein ent⸗ ſchwebte und ſeufzte:„O wüßte ich doch, wohin er fliegt!“ Gedankenvoll ſtieg er wieder hinunter in das Thal zu ſeinen Kühen,— in ſeiner Seele waren neue Begierden, neue Wünſche entſtanden, die reine Freude an der Natur war getrübt, und wenn er die Blumen anſchaute, ſeufzte er wieder:„Wüßte ich doch nur, wie ſie heißen und warum ſie blühen!“ Und dann, wie gehoben von einem kräftigen Ent⸗ ſchluſſe, richtete er ſein Haupt ſtolz empor und ſeine Augen glühten in heiliger Begeiſterung, als er rief:„Ich will wiſſen! Ich will lernen! Ich will
——
4


