Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
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Freiheit zu berauben, ſondern nur um ſie anzu⸗ ſehen, ihnen ganz nahe in die kleinen glänzenden

Augen zu ſehen, in ſeiner Hand das Pochen ihres

kleinen Herzens zu hören, leiſe und behutſam, wäh⸗ rend er mit der einen Hand ſie feſthielt, mit der andern die Flügel auszuſpannen und ſich an dem regelmäßigen Bau, an der Schönheit der Farben und der zarten Durchſichtigkeit dieſer Federn zu freuen.

Und wenn er dann lange genug dies kleine zarte und pochende warme Leben in ſeiner Hand gefühlt, dann öffnete er ſie raſch, und Antonio jauchzte und ſchrie vor Wonne, wie das, nun der Freiheit wiedergegebene Thierchen, mit ſchnellem Flügelſchlag die Lüfte durchſchnitt und oben in den Wolken verſchwand.

Mitten im Sommer aber gedachte er auch des Winters, und es drängte ihn, für dieſen ſich die Freuden des Sommers gleichſam als Monument zu bewahren. Er ſuchte die ſchönſten Blumen und Blätter, nicht aber um ſie anzuſchauen, bis ſie ver⸗ welkten, und ſie dann fort zu werfen, ſondern um ſie mit heim zu nehmen und ſie zwiſchen Steinen zu glätten und zu preſſen. Sein Eifer aber ge⸗ nügte ſich nicht, nur jeden Tag ſchöne Blumen zu pflücken, er verlangte auch, daß es jeden Tag neue, von den geſtrigen verſchiedene ſeien, und je größer und ſchöner die Ausbeute ſeines Suchens war, deſto ſtolzer und triumphirender trug er Abends,