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wenn er ſeine Kühe bis an die dichteſten und ein⸗ ſamſten Stellen des Waldes getrieben, wo ſie reichliches Futter für den ganzen Tag ſinden komn⸗ ten, dann warf er ſich freudejauchzend in das weiche Moos und blickte ſtundenlang gedankenlos und doch voll unausſprechlicher Gedanken hinein in die tiefe, glänzende Bläue des Himmels, oder er pflückte die glänzendſten der Blumen, die in üppiger Far⸗ benpracht um ihn her blühten und ſchaute ſie lange an.— Dann war es ihm oft, als ſchlügen dieſe Blumen ihre Augen zu ihm empor und ſchauten ihn an mit Blicken, die weit verſtändiger waren, wie die ſeiner Kühe, mit Blicken wie die Engel ihn anſchauten, von denen er ſo oft wachend und ſchlafend träumte, und er meinte die Blumen ſlü⸗ ſtern zu höpen in einer Sprache, die er bis dahin nicht gekannt, die er jetzt aber verſtand.
Sie flüſterten ihm wunderbare Geheimniſſe zu, und zu ganzen Stunden lauſchte er ihrem mährchenhaften Geflüſter und dem Durcheinander⸗ murmeln, in dem ſich ihm die Natur offenbarte.
Zuweilen auch folgte er mit raſchem Lauf dem wilden Kaninchen, wie es durch die Gebüſche ſchlüpfte, oder er lauſchte, wenn es, ſeine Gegen⸗ wart nicht bemerkend, luſtig einhergeſprungen kam und unter den Gräſern und Blumen ſich wählte,
was ihm behagte. Oder er ſtellte mit geſchickter
Hand Fallen aus, um die Sänger des Waldes zu fangen, nicht aber um ſie zu tödten oder der


