Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
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lenta und einem friſchen Trunk Waſſer beſtehend, verzehrt, ſeine ärmliche Kleidung angelegt hatte,

trieb er die Kühe hinaus in den Wald. Wenn

aber der hereinbrechende Winter die Weide der Kühe unbrauchbar machte und ſie im Stalle blei⸗ ben mußten, dann gab es für den fleißigen Kna⸗ ben im Kloſter der Beſchäftigung mancherlei. Er mußte Futter ſchneiden für ſeine Schutzbefohlenen, mußte die Zellen der Mönche reinigen und dem Koch behülflich ſein mit Handreichungen, wenn dieſer in der Küche den Mönchen ihr leckeres Mahl bereitete.

Aber je älter Antonio ward, deſto mehr be⸗ gannen dieſe Winterbeſchäftigungen ihn zu lang⸗ weilen. Eine unerträgliche Oede und Leere be⸗ mächtigte ſich ſeines Innern, und wenn ihn das Glöcklein zum Gebet in die Kapelle rief, flehte er nur zu Gott, der Winter möge vergehen und der Frühling wieder kommen.

Ach, und wenn er kam, dieſer heiß erſehnte und erſeufzte Frühling, wenn die Kaſtanien⸗ und Oliven⸗ bäume im dichten Walde knospeten, wenn die Wie⸗ ſenblumen dufteten, wenn balſamiſche Lüfte fächelten, und Antonio mit der Olivenruthe in der Hand die Kühe wieder hinaustreiben konnte zur Weide, wie ward ihm dann das Herz ſo groß und ſo weit, wie jauchzte die Frühlingsluſt in ihm und trieb Gedanken als Worte auf die Lippen, ohne daß er ſelber ſich deſſen bewußt war. Und dann