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ſtreiten wollten. O! wie wohl iſt mir, daß ich in
Freiheit ſterben kann! Der Arzt betrachtete ihn aufmerkſam und ſagte
dann: Regen Sie ſich nicht auf, wenn Sie in Frei⸗
heit leben wollen.
Leben! verſetzte Lornſen und ſeine Augen glänzten ſanft, nein, Freund Lepreux, meine Zeit iſt abgelau⸗ fen. Sie werden mir zutrauen, daß ich über die Schrecken der Vernichtung hinaus bin, und genau weiß, daß Rettung für mich unmöglich iſt.
Es iſt nichts unmöglich, ſagte der Doktor.
Nicht doch, ſiel Lornſen ein, ich weiß, daß ich der Ewigkeit nahe bin, aber ich ſterbe mit dem Be⸗ wußtſein, nicht ganz umſonſt gelebt zu haben. Es werden Zeiten kommen, wo mein Vaterland ſich meiner erinnert, wo mein Andenken die Herzen zur männlichen That aufweckt. Ja, Lepreux, es werden Zeiten kommen, wo alles Wüthen tyranniſcher Ge⸗ walt nichts mehr hilft gegen die Macht der Wahr⸗ heit und des Rechts; denn was man auch ſagen und thun mag, die Menſchheit ſchreitet dennoch vor⸗ wärts in Erkenntniß und Rechtsbewußtſein. Einſt wird und muß Gottes Reich auf Erden kommen!
Dann, erwiderte der Arzt, möchte ich wünſchen, dies Reich Gottes käme bald, dieweil es bis jetzt
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