Teil eines Werkes 
2. Theil (1858)
Entstehung
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ſem ſchönen See. Ich bin frei. Ich ſehe die Alpen glühen, ich kann den Himmel betrachten, ohne die eiſernen Stäbe eines Kerkers! Ich athme dieſe reine Luft, theurer Lepreux, ich drücke die Hand eines Freundes; meine matten Schritte tragen mich wohin ich will. O! das iſt viel, ſehr viel, mein Freund. Ich bin der gütigen Vorſehung dankbar dafür.

Man muß in der Reſignation nicht zu weit gehen, murmelte der Doktor mißmuthig.

Denken Sie an die, welche nach mir kommen werden, ſagte Lornſen; denken Sie der vielen Unglück⸗ lichen, die in Kerkern verſchmachten, deren Ketten in finſtern Höhlen, welche für Mörder und Miſſethäter beſtimmt ſind, raſſeln. Aber man wird weiter und weiter gehen. Der Abſolutismus wird Martern ohne Gleichen erfinden, um ſinnreich ſeine Opfer zu quälen. Man wird die Männer, welche es wagten, ſich gegen ihn zu erheben, ehrlos machen; Zuchthaus und Peitſche werden Geiſt, Jugend und Talent in Wahnſinn und Tod treiben, die Edelſten und Beſten, welche die Zierden ihres Volkes ſein müßten, werden im Verbrecherkittel büßen. Und Alles das im Namen der Gerechtigkeit, Alles im Namen des Gottes der Liebe! Alles vielleicht ſelbſt, als fürchterlichſter Hohn, im Namen der Gleichheit aller Menſchen, für die ſie