Teil eines Werkes 
2. Theil (1858)
Entstehung
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Lornſen nahm das Buch und ſchlug es auf. Ich will thun was ich vermag, ſagte er, und er wußte, daß er ſo ſicher ſprechen konnte, denn er las vortrefflich. Plötzlich aber erhob ſich die ganze Geſellſchaft. Die Thüren wurden weit aufgethan, ein alter Herr in hohen Stiefeln und Militairrock trat herein. Hinter ihm folgte der Kammerjunker von Holk.

Der König! flüſterten die Hofdamen erſtaunt. Lornſen ließ das Buch ſinken, eben hatte er beginnen wollen.

Die dürre, grade, ſoldatiſche Geſtalt des Königs, wie der lange Kopf mit dem ernſten, harten Geſicht hatten etwas Abſtoßendes und dazu paßte ſeine Art zu ſprechen. Rauh hervorgeſtoßene, kurze Fragen und Bemerkungen, deren polternder Ton dem Aengſt⸗ lichen Furcht einflößte, bildeten ſo gut wie er ſelbſt, einen grellen Gegenſatz zu dem ſchönen, lächelnden und geſchmeidigen Kronprinzen; dennoch aber hatte der alte König in ſeinen ſcharfen Augen und raſchen Bewegungen Etwas, das Vertrauen erwecken konnte.

Er hörte Jeden, er arbeitete viel und bekümmert ſich gern um Alles. Sein Gedächtniß war ſtark un man wußte viele kleine Züge zu erzählen, wo un der polternden Hülle ein warm fühlendes Herz