——
—
212
Die Frau Commercienräthin hob ihre Hände auf und legte ſie auf Suſettens Haupt, dabei ſah ſie den Hoſpital— Doctor an, wie er niemals von ihr angeſehen wurde.„Es geht nicht anders,“ ſagte ſie matt und leiſe, als wollte ſie ſich bei ſich ſelbſt entſchuldigen.„Suſette, mein geliebtes Kind, Du ſollſt glücklich ſein. Ludwig— ich weiß, was ich Ihnen ſchuldig bin, aber wo— wo iſt er?!“
Mit dieſem Ausruf ſchien die Frau Commercienräthin wieder die Frau Commercienräthin zu werden. Die mäch⸗ tige Geſtalt richtete ſich auf, das Raubvogelgeſicht ſuchte umher, die grünlichen Augen begannen zu funkeln, aber es war vergebens— Seehauſen war geräuſchlos ver⸗ ſchwunden.
„Denke nicht an ihn, Mutter, liebſte Mutter!“ rief Suſette, ſie umarmend und feſthaltend, indem ſie ihr bittendes Geſicht zu ihr emporhob.„Sieh hier Deine Kinder, ſieh, alle die Dich lieben ſind bei Dir! Niemals wird der Elende Dir wieder nahen. Laß ihn bei ſeiner Schande, fort mit ihm für immer. Fort mit ihm! Ver⸗ gebung um unſeres Glückes willen! Vergebung, weil wir Alle dieſe nöthig haben!“
Während ſie ſprach, ſtand die Frau Commercienräthin ſtarr und ſtill, dann that ſie einen langen Athemzug und ſah Suſetten dabei an, bis ſie beide Hände um ſie ſchlug und mit leidenſchaftlicher Gewalt ſie an ſich drückte. Es ſchien ſie etwas zu überkommen, was ihren Zorn . 1
. 3 X


