Teil eines Werkes 
2. Band (1859)
Entstehung
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Und dies iſt Herr Richard von Lorberg, liebſte Tante, der es vorzieht, ſtatt heute Abend bei uns zu ſpeiſen, mit ſeiner ſchönen Couſine und dem alten Papa binnen einigen Stunden in die weite Welt zu gehen. Ich glaube, an den Rhein, oder noch weiter nach Wälſchland, wo die Myrthen⸗ bäume blühen. Da dies ſein feſtes Vorhaben iſt, von welchem er ſich durch nichts, nicht einmal durch meine in⸗ ſtändigen Bitten, abhalten laſſen will, ſo können wir nichts weiter thun, als ihm die glücklichſte Reiſe wünſchen.

Die Frau Commercienräthin hörte dies in einer Weiſe an, als verſtände ſie es nur halb. Sie wurde nicht un⸗ ruhig, nicht heftig, auch erwiderte ſie nichts. Ihre Augen ruhten fragend auf Suſetten, die ſich plötzlich über ſie warf, ſie mit ihren Küſſen bedeckte, an ihrem Stuhl nieder⸗ kniete, ihre Hände küßte und dabei rief:Alles ſollſt Du erfahren, liebſte Tante, Alles! Er hat mich verſchmäht, ich bin ganz glücklich, daß er es gethan hat; denn wiſſen ſollſt Du, Tante, daß der einzige Mann, den ich lieb habe und dem ich angehören will, hier an Deiner Seite ſteht. Und wiſſen ſollſt Du, Tante, daß, wenn das nicht gelungen wäre, was Chriſtine und ich glaubten und hofften, ich den⸗ noch keinen Anderen gewählt hätte, als den ich liebe und der mich liebt. Darum iſt Ludwig gekommen, und darum entſcheide jetzt, liebe Tante. Verſtoße uns nicht, ſegne uns, liebe uns, o Mutter! liebe Mutter! Wir wollen Deine guten Kinder ſein.