209 indem er ſeine Hand öffnete, in welcher er das leere Fläſch⸗ chen hielt.
„Dann ſeien Sie ohne Sorge,“ ſagte der Doctor, in⸗ dem er ſich zu der leidenden Frau wandte.„Sie haben nichts zu befürchten; dieſes Fläſchchen enthielt eine völlig unſchädliche Mandeleſſenz.“
Er hatte ſich neben die Tante geſtellt, hielt ihren Puls und richtete ſein ernſtes, ruhiges Geſicht auf Seehauſen, mit dem eine ſeltſame Umwandlung vorging.— In den erſten Augenblicken ſchien er zu glauben, daß der Doctor ihm mit einer Lüge helfen wolle. Er ſtreckte ſeinen dicken Kopf beifällig lachend vor, allein mit jedem Worte zogen ſich ſeine Muskeln mehr zuſammen, und aus den Zweifeln die über ihn herfielen, wurde eine Gewißheit, welche ſeinen ganzen Körper wie im Krampfe zuſammenzog.— Der Doctor hatte ihn betrogen!
„Sie werden von mir doch wohl nichts Anderes ge⸗ glaubt haben,“ ſagte Hellmuth,„als daß ich Ihnen ein unſchädliches Medicament anvertrauen würde?“
Seehauſen richtete ſic auf. Der Doctor warf ihm ſelbſt den Rettungsfaden zu.—„Nichts Anderes, niemals etwas Anderes!“ r nur er,„der Himmel iſt mein Zeuge! Unſere geliebte Tante— kummervolle Nachrichten— ſie
war ſehr angegriffen— mir fiel Ihr Beruhigungsmittel ein.— Vergeben Sie chver⸗ ehrteſte!“
Müugge, Verloren und gefunden. II. 14


