268
„Wirklich, Fräulein Chriſtine, ich hätte ein ſo kaltes Herz nicht bei Ihnen vermuthet.“
„Und ich, mein empfindſamer Herr Baron, hätte mehr überlegende Kaltblütigkeit bei Ihnen erwartet.“
„O, wünſchen Sie etwa, daß auch die Liebe kaltblütig ſein ſoll?“
„Was mich betrifft,“ ſagte ſie,„ſo möchte ich nicht blind leidenſchaftlich geliebt werden.“
„Alſo doch mit Leidenſchaft?“
„Soweit dieſe wahr und erhaben iſt, alſo keine Leiden ſchafft.“
Richard von Lorberg preßte ſeine Lippen zuſammen, ſein Kopf brannte wie Feuer, er war kaum mehr im Stande, ſeine Aufregung und ſeine Gereiztheit zu verbergen. Er fühlte ſich getäuſcht und verletzt, verſpottet, wie es ihm ſchien; auf jeden Fall fand er nichts von dem, was ſehn⸗ ſüchtige Erwartung ihm vorgeſpiegelt.
„O wirklich,“ ſagte er ironiſch lachend,„Sie werden ſich vor Mißgriffen bewahren und gewiß dereinſt eine ſehr verſtändige Wahl treffen.“
„Ich danke Ihnen für dieſen prophetiſchen Ausſpruch, Herr von Lorberg,“ erwiderte ſie.„Ich verabſcheue nichts ſo ſehr, als leichtſinnige Heirathen und leichtſinnige Männer.“
„Sehr richtig, theuerſtes Fräulein, das iſt ſehr


