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265 Wegen gefunden, und mit zu vielem Leichtſinn zu wenig gedacht und geſtrebt.“
„In den Prüfungen des Lebens ſtärkt ſich der gute Kern,“ antwortete Chriſtine.
„Oder er verdirbt,“ verſetzte Richard.„Ich wuchs auf wie ein wilder Baum. Mein Vater ſtarb aus Kum⸗ mer über vereitelte Hoffnungen, meine nächſten Verwand⸗ ten waren ſeine ſchlimmſten Feinde.“
„Feinde muß man zu verſöhnen ſuchen,“ fiel ſie ein.
„Nein, man muß das Gemeine und Falſche haſſen und verachten.“
„Wer haßt, kann nicht glücklich ſein, Herr von Lorberg.“
„Dann verzichte ich auf Glück! Und wenn ich der glücklichſte Menſch auf Erden werden könnte um den Preis, mich mit dieſen Verwandten auszuſöhnen, ich würde es ohne Bedenken ausſchlagen.“
„Sonderbar,“ ſagte Fräulein Chriſtine,„alſo um alles Glück keine Verſöhnung! Wenn nun aber dieſer Haß ſich dennoch in Liebe verwandelte, wenn— man hat ja ſogar hiſtoriſche Beiſpiele dafür, in dem ingrimmigen Haß italie⸗ niſcher Familien— wenn ſich alſo auch hier eine Capuletti fände, die den grimmigen Montechi verſöhnte?“
„Und wäre ſie die ſchönſte in der Welt, Fräulein Chri⸗ ſtine,“ ſagte Richard von Lorberg,„ja, liebte ich ſie, ich würde ſie dennoch wie Unkraut aus meinem Herzen reißen.
Mir ſchaudert vor dem Gedanken, den Sie aufwecken. Um


