„Alſo die Freundſchaft, die Liebe.“
„Alles Gute und alles Schöne, das uns in die höchſte Zufriedenheit mit uns ſelbſt verſetzt und alles vergeſſen läßt, was uns beſchwert.“
Richard gab keine Antwort.„Wer vergeſſen könnte!“ flüſterte er endlich.
„Göthe hat einmal geſagt,“ fuhr ſie fort,„daß, wenn er alles Glück ſeines langen und reichen Lebens zuſammen zähle, er keine vierzehn Tage zuſammenbringen könne. Aber das iſt nach ſeiner Weiſe egoiſtiſch gezählt. Das rein empfundene Glück mag ſich in Minuten zuſammen⸗ drängen, doch ein Menſchenleben iſt wie ein Bild aus Licht und Schatten zuſammengeſetzt. Beide miſchen ſich und geben die Farben.“
„Was ſoll man alſo thun?“
„Man ſoll das Licht nicht ohne Schatten verlangen, doch ſoll ein Jeder eifrig dafür ſorgen, daß in ſeinem Lebensbilde das Licht vorwalte.“
„Iſt Ihnen dieſe ſchwierige Aufgabe gelungen?“
„Ich habe mich wenigſtens immer darum bemüht und hoffe, daß es mir gelingen ſoll.“
Lorberg ſchwieg abermals, plötzlich jedoch ſagte er leb⸗ haft:„Mir nicht, bei Gott! ich glaube nicht daran. Ich habe ſehr wenig bis jetzt geſorgt, zu wenig Liebe und edle Freundſchaft kennen gelernt, zu viel Böſes auf meinen


