260
menführt, welche ich unter allen, die da leben, am liebſten
34
vermeiden möchte!
Er überließ ſich den Ausbrüchen ſeines Unmuthes, während er ſeinen Weg fortſetzte. Was mochten dieſe ſtol⸗ zen und feindlichen Verwandten dazu ſagen, wenn er durch ſeine Heirath ein reicher Mann wurde? Sie würden ihn zu verſpotten ſuchen, aber ſie würden ſich gewaltig ärgern. Er erwärmte ſich an hochmüthigen Vorſtellungen und Pla⸗ nen, wie er ihren Neid demüthigen wolle, und vergaß darüber, was er ſelbſt opfern und erlangen müſſe, um an dieſen verhaßten Menſchen Rache zu nehmen. Eben als er in die Königsſtraße einbog, ging eine Dame an ihm vorüber, bei deren Anblick alle ſeine Träumereien zer⸗ ſtoben.
Es war Fräulein Chriſtine, und ſie ſtand ſtill und wartete keine Anrede ab.„Sie ſind es, Herr von Lorberg,“ ſagte ſie mit ihrer metallreichen Stimme, die ſein Herz zum Klopfen brachte.
„Ja, Fräulein Streit,“ erwiderte er.„Ich preiſe mein unverhofftes Gllck.“
„Iſt es wirklich ſo unverhofft?“ fragte ſie neckend.
„Werden Sie mir zürnen, wenn ich Nein antworte und für mein gehofftes Glück danke?“.
„Gewiß nicht,“ ſagte Chriſtine,„habe ich doch ſelbſt beinahe daſſelbe erwartet.


